Cordova – Trauen Sie sich?

0
8310

Letzte Woche erhielten verschiedenen Blogger in Deutschland Briefumschläge, die angeblich in New York aufgegeben worden sind.

Das allein ist natürlich noch nichts Besonderes, aber den Empfängern war der Versender der Briefe nicht bekannt und sie erwarteten diese Post auch nicht. Die Umschläge waren handschriftlich beschrieben und mit den persönlichen Adressdaten der Empfänger versehen. Weitere genaue Details zum Umschlag, den verwendeten Briefmarken und den handschriftlichen Vermerken „Air Mail“ findet ihr zum Beispiel bei Merzmensch oder bei Gerold.

Trauen Sie sich?

Im Inneren des Umschlags befand sich ein jeweils ein Polaroid-Foto. Das Motiv auf dem jeweiligen Foto zeigt einen Stoff-Affen jeweils in einer anderen Pose. Vielleicht ist dies ja ein Hinweis darauf, dass man die anderen Empfänger ausfindig machen sollte? Auf der Rückseite des Polaroids wurde mit einem dickeren Marker die URL www.traue-ich-mich.de notiert. Ruft man diese URL in seinem Browser auf, erscheint ein Warnhinweis, dass die Webseite drastische Inhalte aus Cordovas und der echten Welt enthalte und man lieber die Augen schließen solle, wenn man dies nicht ertragen kann. Wer der Meinung ist, den bevorstehenden Ereignissen gewachsen zu sein, der kann über die Schaltfläche „Eintritt“ die wahren Inhalte der Seite aufrufen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Bevor man diese allerdings angezeigt bekommt, muss man sich per Facebook-Login oder mit der eigenen E-Mail-Adresse  auf der Seite anmelden. Anschließend kommt man in eine übersichtlich angeordnete Webseite, auf der man unter anderem in der Übersicht der Filmographie des Künstlers Stanislas Cordova stöbern kann oder sich kopfüber in „Die amerikanische Nacht“ stürzen und sich damit auf die Spurensuche nach Cordovas Tochter Ashley begeben.

Folgt man der Spur, einem roten Vogel, der gleichzeitig das Erkennungsmerkmal der Cordoviten darstellt, so landet man an fünf verschiedenen Originalschauplätzen des gleichnamigen Romans. Die erste Station ist dabei die Mott Street No 9 mitten in Chinatown.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=s5N5xNN30Us]

Den Spuren kann man dann auch direkt im Film folgen (was aber nur auf der Originalseite geht und nicht hier oder auf Youtube). Einmal angeklickt, sammelt man dadurch Indizien und Informationen, die einen tiefer in das Universum von Cordova und seiner Tochter führen.

Die amerikanische Nacht

Die Webseite und ihre Inhalte sind Teil des Geschichtenuniversums des Romans Die amerikanische Nacht. Er wurde von der Autorin Marisha Pessl geschrieben und ist in Deutschland im S. Fischer Verlag erschienen. Auf der Webseite der Autorin kann man sich eine kostenlose App herunterladen, eine Decoder-App, mit deren Hilfe man Teile des Buches scannen und auch dort weitere Informationen und Hintergründe zu Ashley Cordova finden kann. Das geht auch mit der deutschen Ausgabe des Buches, wobei die durch die App dekodierten Inhalte in englischer Originalsprache zur Verfügung stehen. Der Roman lädt immer wieder dazu ein, die Seiten des Buches zu verlassen und an anderer Stelle tiefer in die Geschichte einzusteigen.

Es ist also alles in allem eine spannende Einladung zur Interaktion, die nur einen kleinen Haken hat, auf die Merzmensch in seinem Bericht bereits hingewiesen hat. Es ist zumindest auf der Webseite der Cordovaren die ständige Präsenz der Meta-Ebene, derer man sich nicht wirklich entziehen kann. Beim Lesen des Romans und der Benutzung der Decoder-App wird dies aber nicht weiter stören.

Einen längeren Blick ins Buch und in dessen Möglichkeiten ist es sicherlich in jedem Fall wert.

Links:

TEILEN
Vorheriger ArtikelEs wird gedreht: Dina Foxx 2
Nächster ArtikelRLF – Start a Revolution!
Patrick Möller ist Gründer und Herausgeber der ARG-Reporter. Er eröffnete die Webseite Ende 2005 und berichtet seitdem über Alternate Reality Games, Transmediale Projekte, Konferenzen und Events auf der ganzen Welt. Inzwischen gehören auch ein Wiki und ein Forum zu den ARG-Reportern, in denen sich die Community meist bei aktuellen deutschsprachigen ARGs einfindet und gemeinsam über die Vorgänge austauscht. Im Jahr 2011 gründete er zudem mit Dorothea Martin die Gruppe Transmedia Storytelling Berlin - ein monatliches Business-Meeting zum Austausch von Wissen und Kontakten im Bereiche Transmedia. Mehr dazu findet man unter www.tmsb.de